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20.11.2020

25. November 2020 - Internationaler Tag gegen Gewalt

Weltweit finden hierzu verschiedene Aktivitäten statt

Auch im Jahr 2020 wird wieder vor dem Amt Südtondern in der Zeit vom 23. November bis zum 30. November die Fahne wehen, um auf den Internationalen Tag „Gegen Gewalt an Frauen“ hinzuweisen und vor allen Dingen, um ein Zeichen gegen jegliche Gewalt zu setzen, so die Gleichstellungsbeauftragte des Amtes Südtondern Sylke von Kamlah-Emmermann.

Der Aktionstag geht zurück auf den 25. November 1960. An diesem Tag wurden die drei Schwestern Patria, Minerva und Maria Teresa Mirabel wegen ihrer politischen Aktivitäten vom militärischen Geheimdienst der Dominikanischen Republik nach monatelanger Folter ermordet. Seit 1999 ist dieser Tag von der UNO als internationaler Gedenktag anerkannt. Er gilt als Hauptaktionstag der Frauenbewegung gegen Diskriminierung, Unterdrückung und Verfolgung von Frauen. Die Frauenrechtsorganisation "terre des femmes" ruft seit über 10 Jahren dazu auf, sich an der Aktion zu beteiligen und an öffentlichen Gebäuden die Fahne „Frei leben ohne Gewalt“ zu hissen.

Seit 2009 ist es gute Tradition, die Fahne auch vor dem Amtsgebäude des Amtes Südtondern in der Markstraße 12 wehen zu lassen, um auf die nach wie vor aktuelle Problematik von Gewalt an Frauen und Kindern auf der ganzen Welt und auch in Deutschland aufmerksam zu machen. Die bekannte öffentlichkeitswirksame „Brötchen Tüten Aktion“ findet in diesem Jahr aus den bekannten Gründen nicht in gewohnter Form statt.
Doch Solidarität im Kampf gegen Gewalt ist auch und besonders im Jahr 2020 unter den besonderen Vorzeichen der Pandemie wichtig und unerlässlich, da oftmals weder Opfer noch Täter mit dem Thema Gewalt auf die Straße gehen und selten die Öffentlichkeit suchen. Daher muss diese Thematik von anderen Vereinen, Verbänden und auch den Gleichstellungsbeauftragten in Kooperation mit dem Frauennotruf/Frauenberatung Nordfriesland aktiv angesprochen und in diesem Fall öffentlich sichtbar gemacht werden.
Gewalt gegen Frauen – ob körperliche Gewalt als höchste Eskalationstufe oder strukturelle, verbale, seelische Gewalttaten sind weder hinnehmbar noch gesellschaftlich zu akzeptieren, leider werden sie aber auch in unserer Gesellschaft noch allzuoft als Machtmittel von Männern genutzt, um insbesondere Einschüchterungen vorzunehmen.

Die Kampagne soll dazu beitragen, Opfern eine starke Stimme zu geben, damit Gewalt an Mädchen und Frauen in unserer Gesellschaft keinen Platz mehr haben kann – die Öffentlichkeit muss weiter sensibilisiert werden und bleiben.
Bewusstseinsbildung, Prävention und die Unterstützung betroffener Frauen verlangen nach Frauensolidarität, Bündelung aller Kräfte und Vernetzung untereinander. Was im Amtsbereich auch untereinander sehr gut funktioniert.
„Es gibt eine Mauer des Schweigens gegen Frauen und Gewalt - und jedes mal wenn eine Frau ihr Schweigen bricht, bekommt diese Mauer einen Riss.“ - Marai Larasi
"Wir müssen es schaffen, diese Mauer zum Einsturz zu bringen", so Anke Eckel von der Frauenberatung Niebüll. 
„Gewalt ist immer auch ein Hilferuf.“ -  Claudia Roth

"Es ist unser Anliegen, entsprechende Hilfsangebote zu schaffen und auf die vorhandenen Angebote aufmerksam zu machen", so Anke Eckel von der Frauenberatung Niebüll.
In unserem ländlich geprägten Amtsbereich ist die Welt ebenso wenig in Ordnung wie in der Bundesrepublik Deutschlan insgesamt. Die Bundesstatistik, die gerade die Familienministerin Giffey in ihrer Studie zum Thema „Stärker als Gewalt“ ausgeführt hat, korrespondiert auch mit den Erfahrungen der Frauenberatung und dem Frauennotruf NF und der regionalen Gleichstellungsbeauftragten.
Aus der Polizeilichen Kriminalstatistik, die zur Partnerschaftsgewalt im Jahr 2019 erstellt wurde  geht hervor, dass durchschnittlich alle 3-4 Tage ein Gewaltübergriff vom Partner oder Ex- Partner erfolgt. Leider werden nicht alle Fälle erfasst, die im „Verborgenen“ bleiben und erst dann öffentlich werden, wenn sich Betroffene öffnen. Natürlich ist in vielen Ehen, Familien und Partnerschaften in unserem Amtsbereich die Welt vielleicht noch in Ordnung – aber jedwede Gewalt ist einfach zuviel.

Gerade auch in der Corona Pandemie verschärft sich die Lage und hat sich schon verschärft. Dies wird auch im Amtsbereich Südtondern von der Gleichstellungsbeauftragten beobachtet, denn die telefonischen Kontakte haben in den vergangenen Monaten deutlich zugenommen, in denen Hilfesuchende sich melden und Gesprächsbedarf haben im Hinblick auf die sich verschärfenden Situationen in häuslichen Beziehungen, gepaart mit Alltagsängsten. Die Pandemie verlangt uns Allen große Disziplin ab. Die Unsicherheit begünstigt Nöte und Ängste, Stress- und auch Gewaltpotenzial. Meistens sind Frauen die Leidtragenden gerade in Familien, die sich persönlich auf engem Raum begrenzen müssen. Im Bereich des Amtes Südtondern können wir da glücklicherweise etwas profitieren von der Weitläufigkeit der Natur und Landschaft, wodurch die Problematik etwas abgemildert wird. Die Corona Pandemie ist nicht nur eine Gesundheitskrise, sondern führt auch in einigen Fällen zu Lebenskrisen und Ausnahmesituationen. Oberstes Anliegen muss sein, dass die Lebensbedingungen und Rechte der Frauen nicht in eine desaströse Richtung abdriften.
Ein entsprechendes Netzwerk in Südtondern macht es auch der Gleichstellungsbeauftragten möglich, fachspezifisch Kontakte weiterzuleiten und Hilfsangebote zu unterbreiten.

"Nehmen Sie nicht nur die wehende Fahne vor unserem Amtsgebäude wahr, sondern auch im Umfeld Signale hilfesuchender gefährdeter Frauen", so der abschließende Appell von Anke Eckel und Sylke von Kamlah-Emmermann.